Italienische Behörden fordern in Erdbebengebieten Bürger zur Öffnung ihres WLAN auf

Wie lebensrettend offene Infrastrukturen sein können, zeigt sich vor allem in Katastrophenszenarien, wie zum Beispiel momentan im Erdbebengebiet in Norditalien. Jetzt berichtet auch Spiegel Online über einen Aufruf der Behörden an die Bürger ihren WLAN-Zugang zum Internet zu öffnen, um die Kommunikation von Rettungskräften zu erleichtern.

Italiens Norden wird von Erdbeben erschüttert, die Rettungskräfte arbeiten pausenlos. Die Kommunikation ist schwierig, weil Telefon- und Handynetze teilweise zusammengebrochen sind. Nun rufen Städte und Gemeinden der betroffenen Region die Bürger auf, ihre heimischen W-Lan-Anschlüsse in freie Hotspots zu verwandeln und dafür den Passwortschutz kurzfristig aufzuheben. (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/.…)

Auf Republicca können die Italiener nun nachlesen, wie der Zugang geöffnet wird:

PER CONSENTIRE a tutti coloro che non riescono a comunicare via cellulare di collegarsi ad internet, molti comuni invitano i cittadini dei paesi colpiti dal terremoto di oggi ad aprire la propria rete wi-fi domestica. (http://www.repubblica.it/cronaca/2012/05/29/news/i...)

Der Kommentar von Reto Mantz dazu:

Der Fall wirft ein deutliches Schlaglicht auf die Relevanz des Zugangs zum Internet und allgemein des Zugangs zu Kommunikationssystemen. Und letztlich ist dieser Punkt auch in rechtlicher Hinsicht beachtlich: Wenn eine Kommunikationsstruktur zur Begehung von Rechtsverletzungen genutzt wird, greift potentiell das deutsche Konstrukt der Störerhaftung: Der Anschlussinhaber soll als Mitwirkender an der Rechtsverletzung des (möglicherweise unbekannten) Dritten wenigstens auf zukünftige Unterlassung haften. Nun zeigt das Beispiel der italienischen Städte und Gemeinden, dass ein offenes WLAN nicht Gefahrenquelle ist …, sondern eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllt. … Auch wenn der Aufruf der italienischen Städte nur der vorübergehenden Öffnung von WLANs dienen soll, zeigt er doch, wie wichtig heutzutage der freie Zugang zu Kommunikationsstruktur ist, nicht nur zur Überbrückung des sog. Digital Divide. (http://www.retosphere.de/offenenetze/2012/06/02/funktion-und-bedeutung-des-wlan-acess…)

Zu hoffen bleibt, dass die Erkenntnis, wie wichtig und lebensrettend offene Netze sein können sich auch längerfristig in Italien durchsetzt. Bei vielen Bürgern ist dies bereits vor Langem angekommen. Die Bürgernetze von Ninux.org in Italien wachsen beständig. Wann wird sich diese Erkenntniss auch in der Politik in Deutschland durchsetzen und wann werden die gesetzlichen Beschränkungen und Abmahnfallen für Betreiber freier Netze endlich abgebaut?

Freies WLan in Berlin mit Freifunk – Veranstaltungsinformation

Wie angekuendigt findet am 31. Maerz eine Veranstaltung zu Freiem WLan in Berlin mit Freifunk im Radialsystem in Berlin stat. Der Ablaufplan ist wie folgt:

18:30h Einlass
19h Beginn

Vorträge

  • Begrüßung & Einführung: Wulf und Stefan Ziller
  • Was ist Freifunk? Jürgen Neumann
  • Netz- und Dienstleister-Trennung: Ulf Kypke
  • Wichtige Punkte bis dahin:
  • Freifunk auf dem Kirchendach: Sven Ola-Tücke
  • Freifunkhain: Ulf Kypke
  • Beuth-Schule und Freifunk in der Wissenschaft, Afrika:
    Alexander Morlang
  • OLPC & VillageTelco: Elektra Wagenrad
  • Recht: Dürfen, aber Haften?: Jochen Bokor
  • Wirtschaftlicher Nutzen: Iris Rabener, Ingo Rau (via cven)
  • Szenarien zur politischen Umsetzung: Stefan Ziller
  • Offene Diskussion: Statements gern von allseits gesehen

Ab 21h: Ausklang im Foyer & Empfang mit Speis und Getränk

Ort/Datum

Mittwoch, 31. März 2010, 19 – 21 Uhr
Radialsystem V GmbH – www.radialsystem.de
Holzmarktstraße 33 – S-Bhf. Ostbahnhof

Filmschau Freifunk Halle Interview Loop

Beim kommenden Freifunk-Stammtisch wird ab 21 Uhr Freifunk Halle Interview Loop, das im Sommer größtenteils in Halle entstanden ist und versucht, den Freifunk Halle zu dokumentieren, gezeigt.

Wen das interessiert, soll kommenden donnerstag Abend beim Treffen
vorbeischauen, dass planmäßig am 03. Dezember 2009 ab 19 Uhr im
Untergeschoß des Dinner for One in der Großen Brunnenstraße 2 in Halle
stattfinden wird.

 Ich freue mich, abgesehen davon, über jedes Feedback zum Film aus der Freifunk-Community!

Freies WLAN für Berlin

Freies WLAN in Berlin wird kommen hieß es teilweise in der Presse. In der Tat gibt es freies WLAN in Berlin in Form von Freifunk schon seit Jahren. Wünschenswert wäre, wenn auch der Berliner Senat mit der Freifunk-Community – Bürgern, Unternehmen, Kirchen und sozialen Einrichtungen – zusammen arbeiten würde und gemeinsam ein nachhaltiges Modell erarbeiten würde, um das Netz auszubauen und hierüber in vielen Stadtgebieten eine Grundversorgung mit Internet bereit stellen würde. Dies würde durch dezentrale Freifunknetze und ein verteiltes Betreibermodell, dass nicht gewinnorientiert ist, sogar nur sehr geringe Kosten verursachen. Die Bereitstellung einer Basisnetzanbindung würde neue Geschäftsmodelle befördern und Arbeitsplätze schaffen. Ein derartiges Modell wird mit Freifunk in Berlin seit Jahren ohne Unterstützung der öffentlichen Hand bereits realisiert und nachhaltig betrieben. Nun hat der Berliner Senat in der aktuellen Debatte die Chance, die seit langem in der Freifunk-Community gewünschte Zusammenarbeit zu beginnen zum Beispiel über den Förderverein für freie Netze, Selbständige und Firmen im Freifunkumfeld.

Neben zahlreichen Anfragen über eine Kooperation auf Bezirksebene in den letzten Jahren hatte die Freifunk-Community dieses Jahr am 26. Mai zu dem Thema beim Wirtschaftssenator eine Anfrage gestellt. Zwei Freifunker waren zudem bereits im letzten Jahr zu einem Informationsgespräch in die Wirtschaftsabteilung eingeladen, wo der Senat sich zu Freifunk informierte. Auf Nachfragen zu geplanten WLAN-Netzen in Berlin gab es am 15. Juni eine Antwort. Dort heisst es, dass trotz anderer Presseberichte, der Senat kein Stadtnetz plane, sondern lediglich Investitionsbedingungen klärt.

Wirtschaftssenator Harald Wolf: zur Klarstellung muss ich noch einmal betonen, dass es kein
WLan-Projekt des Berliner Senats gegeben hat und gibt. Die
Wirtschaftsverwaltung war vielmehr bemüht, die Bedingungen für ein
privates Investment und private Betreiber, speziell im Hinblick auf die
eventuelle Nutzung Berliner Lichtsignalanlagen und Lampenmasten, zu
klären. In meiner Verwaltung wurden zu dieser Thematik mehrere Gespräche
auch mit der Berliner Freifunkszene geführt. Und wir haben allen
potentiellen Interessenten für den Betrieb bzw. möglichen Investoren
stets den direkten Kontakt und die Prüfung der
Kooperationsmöglichkeiten mit der Berliner Freifunkszene empfohlen. (http://www.direktzu.de/wolf/messages/21033)

Mittlerweile gibt es weitere Entwicklungen und zahlreiche Nachfragen von Journalisten zur Position der Freifunker. Die taz schreibt zunächst über das Senats-Projekt ohne Freifunk zu erwähnen:

Kostenloses Internet selbst im Park könnte bald Wirklichkeit werden.
Die Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie bereitet derzeit
die Ausschreibung für einen öffentlichen und kostenlosen Internetzugang
über Funk vor, wie Sprecherin Brigitte Schmidt der taz sagte. Über
deren genaue Inhalte seien noch keine Angaben möglich; allerdings solle
das Papier "in den nächsten Wochen" fertig sein. Eine ursprünglich
geplante Pilotphase falle weg. Die Ausschreibung zu formulieren sei
aufwendig, weil "ganz genaue Bedingungen" gestellt werden müssten. Das
betreffe etwa das Stadtbild, da die Installation von technischen
Geräten notwendig sei. (taz, Svenja Bergt, 19.8.2009, Internet ist die Straße
von morgen, http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/internet-liegt-in-der-luft-1/)

Im Kommentar gibt es dann aber doch noch ein Statement zu Freifunk:

Fähige Leute gibt es nicht nur in Unternehmen. Sondern auch und gerade
in alternativen Kontexten – wie hier der Freifunkszene. Jetzt muss der
Senat Mut beweisen und neue Wege gehen. Denn das Internet wird eines
Tages vergleichbar wichtig werden wie ein Straße. Und das Straßennetz
vergibt der Senat ja auch nicht an ein Unternehmen. (taz, Kommentar von Svenja Bergt, 18.8.2009, Internet ist die Straße von morgen, http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/internet-ist-die-strasse-von-morgen/)

In der Berliner Zeitung vom 20. August ist von einem kostenlosen Basisdienst dann aber nicht mehr die Rede:

"Das öffentliche WLAN für Berlin wird demnächst erst einmal ausgeschrieben. Wer es nutzen möchte, muss dafür bezahlen" (Barbara Weitzel, Berliner Zeitung, 20. August, http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv…)

Richtig wird die allgemeine Stimmung in der Community wiedergegeben:

"Die Berliner Netz-Community würde es lieber sehen, wenn das Netz nicht
in der Privatwirtschaft ausgeschrieben würde. Beim Bürgerfunknetz
Freifunk, über das man sich in einigen Stadtteilen bereits kostenlos
ins Internet einwählen kann, befürchtet man zu viel Werbung und ein
Ende des Netzes, wenn sich das Projekt für das Unternehmen nicht
auszahlt. "Ein öffentliches Funknetz sollte sich auch in öffentlicher
Hand befinden", so der Grünen-Abgeordnete und Freifunk-Sympathisant
Stefan Ziller. "Kommerzielle Interessen passen nicht zu einem freien
Netz." Für die Wirtschaftsverwaltung kommt das jedoch nicht in Frage: "
Für den Betrieb eines solchen Netzes verfügt das Land weder über genug
Geld noch verstehen wir genug davon", sagt Nehring-Venus." (Barbara Weitzel, Berliner Zeitung, 20. August, http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv…)

Meine Meinung hierzu, wenn der Senat nicht über die Expertise verfügt ein Netz zu betreiben, wieso holt er sich die Expertise nicht aus der Stadt?

In Berlin existiert das größte und modernste Meshnetzwerk der Welt, eine Hochtechnologie über die uns weltweit Städte und Firmen beneiden. Das Netz wurde in Eigeninitiative von Bürgern, Unternehmen und mit Unterstützung der Kirchen aufgebaut und deckt auf Dachebene nach Schätzungen bereits 90% des Berliner Innenstadtbereichs ab. Kosten entstanden hierfür für die Stadt nicht. Das als Experiment gestartete Netz wird seit mehr als 5 Jahren betrieben und funktioniert seitdem zuverlässig. Wir haben ausgewiesene Experten, Firmen und Selbständige, die im Freifunkumfeld tätig sind und dem Senat gerne als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Es wäre eine Irreführung zu behaupten, dass bei der Benutzung von Ampeln und Straßenlaternen keine Kosten anfielen, wenn eine einzelne Firma dies für ein privates WLAN-Netz benutzen würde. Die Freifunk-Community dagegen hat bereits gezeigt, wie ein Netz nachhaltig und kostenneutral betrieben werden kann. Zur Frage der Rechtssicherheit liegen ebenfalls Untersuchungen und eine Doktorarbeit von Dr. Reto Mantz vor.

Mit Unterstützung der Stadt und der Zulassung von Freifunkroutern in Laternen kann noch viel mehr erreicht werden. Gegenwärtig sind öffentliche Angebote von Internet sehr rar. In Bibliotheken wird Geld für Computer und Internetzugang ausgegeben, es fallen aber 2 Euro nach der ersten Stunde pro Stunde an. Dies ist für viele in der Stadt zuviel. Mit Freifunk können in vielen Bereichen Kosten für derartige Dienste dramatisch gesenkt werden.

Genehmigungen für die Aufstellung von Routern auf Dächern der städtischen Gebäude, die offizielle Anerkennung des jahrelangen Bürgerengagements und die Zusammenarbeit mit lokalen Firmen aus dem Freifunkumfeld können ein großflächiges Wachstum des Freifunk-Netzes befördern und das Ziel eines freien Stadtnetzes über das die Stadt einen Basis-Internetdienst zur Verfügung stellen kann, für alle sehr bald Wirklichkeit werden lassen. Kosten hierfür wären dank der in der Stadt seit Jahren eingesetzten und getesteten Freifunktechnologie sehr niedrig. Zudem kann die Stadt auf das stets wachsende Netz von Routern (momentan 700) von Freiwilligen zurückgreifen. Eine einzelne Firma könnte Derartiges insbesondere unter dem Anspruch Gewinn zu erwirtschaften nicht realisieren.

Eine Möglichkeit ist, dass ein Verein oder eine gemeinnützige GmbH als Betreiber eines Stadtnetzes agiert, welches mit dem Freifunknetz der Bürger kompatibel ist. Bürger haben so im öffentlichen Raum Zugang zum lokalen Freifunknetz und zu privaten oder öffentlichen Internetdiensten. Die Lebensqualität der Bürger erhöht sich und Berlin zieht endlich gleich mit Städten wir Singapur, Taipei, Tokio oder Seoul.

Bristol Wireless Video

Bristol Wireless is a community project where people formed a cooperative to work together. They provide services all over Bristol, UK. I found a video that was produced already in 2005 now. Enjoy!

Links:

* http://www.bristolwireless.net
* YouTube http://www.youtube.com/watch?v=ZlB92EJgwIY
* Download: http://www.bristolwireless.net/video/bw_90_sec_challenge.mp4

Video: Freie Kommunikation für Alle, WLan in Berlin

Bei YouTube tauchen immer mehr Videos zu Freifunk auf. Jetzt gibt es eins aus den frühen Tagen der Berliner Freifunk-Initiative mit Cven und Juergen Neumann über WLan und freie Netzein Berlin.

Das Video muss um 2003 herum entstanden sein.

Video von Roland Ibold, Julia Hoffmann und Christian Eichner
Titel: "Freie Kommunikation für Alle", WLan in Berlin

Link: http://www.youtube.com/watch?v=uDFrRGqI8d4

[via cuadrilla]

Deutschlandfunk: Freifunk bietet kostenloses Internet per Nachbarschaftshilfe, „Anschluss nebenan“

Beitrag über Freifunk im Deutschlandfunk:

"Wo das moderne Glasfasernetz die Entwicklung einer DSL-Infrastruktur
verhinderte und die vorhandenen Telefon- und Modemanschlüsse rar waren
war Vielen der Internetzugang versperrt. Ersatz bringen engagierte
Anwender, die eigene WLAN-Netze erschaffen"

Autor: Wolfgang Noelke

Beitrag: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/computer/786517/
mp3-Download: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/05/17/dlf_20080517_1646_e9ccfc9e.mp3

Wolfgang Noelke war beim Wireless Community Weekend zu Gast. Er hat in
den letzten Jahren bereits öfters über Freifunk berichtet und liefert
nicht nur interessante, sondern auch gut recherchierte und faktisch
korrekte Beiträge. Das fällt vielen Journalisten nicht nur in bezug auf
Freifunk schwer.


Jürgen Neumann: Freifunker verbinden den Spaß mit dem
Nützlichen und liefern Internet auch an Orte, die kommerzielle Anbieter
vernachlässigen. (Bild: Wolfgang Noelke)

Der Beitrag:

(Wolfgang Noelke) In Berlin realisierte man vor fünf Jahren, was man zur Jahrtausendwende
bereits in London versuchte: Eine drahtlose Vernetzung aller in der
Nachbarschaft vorhandenen PCs, die im Prinzip so funktioniert, wie
kreuz und quer miteinander verbundene Straßen: Wenn eine dieser Straßen
einen Autobahnanschluss hat, ist es nur eine Frage der Zeit, wann ein
am anderen Ende des Straßennetzes startendes Fahrzeug die Autobahn
erreicht. So schrieb die Freifunk-Gemeinde ein Protokoll, das jedem, im
Netzwerk angemeldeten Computer das aktuelle Abbild der sich ständig
verändernden Verbindungen mitteilt und veröffentlichte es unter dem
Namen "Optimized Link State Routing". Wer an Freifunk teilnehmen
wollte, ob mit oder ohne Internetanschluss, brauchte nur noch einen
passenden WLAN-Router, erinnert sich Jürgen Neumann, Gründer von
Freifunk:

(Jürgen Neumann) Lange Zeit ging das so,
man kauft sich einen Access-Point, der muss kompatibel sein. Da gibt es
eine lange Liste von verschiedenen Geräten, die dafür infrage kommen
und dann kann man über ein Web Interface Firmware austauschen.
Freifunk-Firmware kann man sich kostenlos aus dem Internet herunter
laden und es reicht, diese zu ersetzen, aber wir sind einen
wesentlichen Schritt weiter. Ich habe aus Taiwan erste Router
mitgebracht, die tatsächlich schon ab Werk mit einer Firmware geflasht
sind, die man überhaupt nicht mehr konfigurieren muss. Also es reicht,
die Geräte einfach in die Steckdose zu stecken und der Rest geht
automatisch.

(Wolfgang Noelke) Das schreckte viele ab: Firmware
auszutauschen, an sich ein kompliziertes und riskantes Manöver, bei dem
die Betriebssoftware des Routers durch eine neue, quasi
selbstgestrickte Version ersetzt wird. Das schreckte besonders
diejenigen ab, für die Freifunk ursprünglich gedacht war: Teilnehmer
ohne Internetanschluss und einer deswegen auch oft mangelnden Internet-
und Computererfahrung. Die Teilnehmerzahl wuchs trotzdem. Inzwischen
sind ganze Stadtteile Berlins und Städte wie Weimar gut vernetzt. Mit
zunehmender Teilnehmerzahl wurde das alte Netzwerkprotokoll immer
langsamer. Es berechnet ja die Navigation durch das das gesamte
Netzwerk, kennt bereits beim Absenden eines Datenpäckchens jeden Knoten
bis zum Ziel. Daran wurde gearbeitet: Um den genauen Weg zum Ziel
kümmert sich das neue Protokoll B.A.T.M.A.N. – "Better Approach To
Mobile Adhoc Networking", generiert wörtlich eine "Bessere Ähnlichkeit
Mobiler Spontan-Netzwerke" und verhält sich auch so. Wer spontan ein
Päckchen versendet, denkt doch niemals an die unterwegs zu
durchlaufenden Poststationen:

(Jürgen Neumann) Ich muss nur wissen, wenn ich ein Päckchen von hier schicke, wo der nächste Briefkasten ist, wo ich das abgebe, sozusagen.

(Wolfgang Noelke) Von
da ab geht’s nun automatisch: Geeignete Briefkästen zum Weiterversenden
sind die der nächsten Nachbarschaft, bis das Päckchen zufällig einen
Briefkasten mit Internetanbindung erreicht.

(Jürgen Neumann) Da
sind schon Mechanismen implementiert, um das permanent zu überprüfen
und die Router auch sehr schnell anzupassen. Also jeder einzelne Node
weiß nur noch, bei welchen nächsten Nachbarn er ein Paket abgeben muss,
wenn es in eine bestimmte Richtung geschickt werden soll.

(Wolfgang Noelke) Neben
dieser selbstverständlich unter Open-Source-Bedingungen angebotenen
Software beschäftigt sich die Gemeinschaft bereits auch mit
Open-Source-Hardware. Auf einen Hauptprozessor im Router, die so
genannte CPU, verzichtet man:

(Jürgen Neumann) Die
Gruppe heißt OpenPattern.org, die gerade dabei sind, einen Router zu
entwickeln. Und dieser Router verwendet keine CPU mehr im Sinne eines
vorgefertigten Chips, sondern ein Bauteil, in das man selber eine
CPU-softwaremäßig schreiben kann. Das bedeutet, die entwickeln gerade
ihre eigene CPU und ihr eigenes Routerboard und sicher haben wir auch
schon darüber gesprochen, mal einen Wireless Chip aus der Community
heraus zu designen und dann dafür hoffentlich einen Hersteller in
Taiwan oder in einem anderen Land zu finden.

(Wolfgang Noelke) Vielleicht
bewahrheitet sich damit bald der Freifunk-Traum, dass sich überall
dort, wo mehrere WLAN-fähige Geräte sich gegenseitig erreichen, sich
spontan ein Netzwerk bildet. Das nennt sich Meshing. Jürgen Neumann:

(Jürgen Neumann) ##Seitdem
wir uns mit Meshing beschäftigen, beschäftigen wir uns mit der Idee,
dass jedes Telefon zum Beispiel ein Meshpoint sein könnte oder jeder
kleine PDA. Alles was die Leute so an elektronischen Geräten in der
Tasche mit sich herum tragen. Es hat nur leider zwei große Probleme.
Das erste ist, dass der Stromverbrauch dieses WiFi Chips ziemlich hoch
ist. Und wenn wir uns so eine Mesh-Wolke vorstellen, die immer in
Bewegung ist, dann würde das auch bedeuten, dass das Wireless Device
permanent Daten überträgt und mit den Chips, die wir heute haben, würde
das zu viel Strom verbrauchen. Der zweite Punkt ist, dass es zwar schon
eine Implementierung von BATMAN auf Layer zwei gibt, dass man diese
aber in die Firmware des Chips idealerweise integrieren müsste und dass
es bisher noch keinen Chiphersteller gibt, der sagt: Lass uns das
machen.

SZ über Freifunk

Unter dem Titel Mit der Milchtüte ins Netz steht in der Süddeutschen Zeitung von gestern (15.05.2008, 13:57 Uhr) ein Beitrag über Freifunk von Simone A. Mayer.

Der erste Teil des Beitrags handelt wie immer von den Antennen aus Milchtüten und komischen Freaks. Es gibt ein paar Statements von den Freifunkern Christian Heise und Andreas Hubel und eine gute Erklärung der Idee des Internetsharings.

Hinter dem Netzwerk steckt eine idealistische Idee: Ein Freifunker hat
einen Internetzugang und stellt ihn anderen ohne Gegenleistung zur
Verfügung. Im Gegenzug kann er ebenfalls Daten über das interne
Freifunk-Netz übertragen. Solche Netze unterscheiden sich von den
Hotspots für öffentlichen, vermeintlich kostenfreien WLAN-Zugang, die
Kunden von Coffeeshops oder Fastfood-Ketten zur Verfügung stehen.
Freifunk ist nicht kommerziell. Zwar zahlt derjenige, der sein Netz für
andere öffnet, die üblichen Grundgebühren und Flatrate-Kosten, aber er
teilt mit anderen Usern großzügig.

Im zweiten Teil wird plötzlich fast Angstmache betrieben:

Rechtlich ist nicht-kommerzielles Freifunken erlaubt – aber mit
Einschränkungen. Jeder darf sein Netz anderen zur Verfügung stellen,
wenn der Anbieter dies erlaubt. Aber Vorsicht – wer ein offenes WLAN
betreibt, kann dennoch mächtig Ärger mit der Justiz bekommen. Mehrere
Gerichtsurteile bestätigten inzwischen: Der Besitzer eines Zugangs
haftet für alle Inhalte, die andere über seine IP-Adresse
herunterladen. So hatte etwa eine Internetuserin 2006 vor dem Hamburger
Landgericht gegen ihren Anbieter geklagt. Von ihren Zugangspunkt aus
waren 244 Musikdateien geladen worden. Der Anbieter mahnte die Kundin
daraufhin ab und verlangte, dass sie keine weiteren illegale Dateien
anbietet. Die Frau behauptet nun, nicht selbst diese Dateien
unerlaubterweise ins Netz gestellt zu haben. Unbekannte Dritte hätten
ihren unverschlüsselten Internetanschluss genutzt. Sie verlor jedoch
vor Gericht.(http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/259/174736/)

Wie Reto Mantz kürzlich auf dem Wireless Community Weekend in einem Vortrag berichtete, sind diese Urteile auf Freifunk nicht einfach übertragbar. Reto kam zu dem Schluss, dass Störerhaftung für Teilnehmer, die Internet im Freifunk-Netz bereit stellen, größtenteils ausgeschlossen werden kann. Ein wichtiger Grundstein in der Begründung für die Auslegung war die nichtkommerzielle Ausrichtung von Freifunk. Mehr zu diesem Thema kann man in der Doktorabeit über Rechtsfragen offener Netze von Reto Mantz nachlesen.

Organisiertes WLAN-sharing: Beitrag über Freifunk im Web-Magazin Förderland

Kim Bachmann hat einen Beitrag zum Thema "Organisiertes WLAN-sharing Surfen auf fremden Wellen" verfasst in dem sie auf die unterschiedlichen Ansätze von kommerziellen Hotspot-Anbietern wie Fon, Sofanet, Maxspot, der Mitsurfzentrale und Freifunk-Netzen eingeht. Hierzu gibt es auch ein kurzes Zitat von mir.

Bei der Bewegung Freifunk
geht es vor allem darum, sich miteinander in freien Netzen verbinden zu
können ohne sich den Beschränkungen kommerzieller Anbieter unterordnen
zu müssen. "Jeder Nutzer im Freifunk-Netz stellt seinen WLAN-Router für
den Datentransfer der anderen Teilnehmer zur Verfügung", erklärt Mario
Behling, FOSS Consultant und Freifunkblogger. "Großzügige Teilnehmer
stellen zudem ihren Internetzugang zur Verfügung und ermöglichen
anderen den Zugang zum weltweiten Netz." (26.02.08 11:30, http://www.foerderland.de/419+M55893e7ed5b.0.html)

3Sat Neues über die Anfänge freier Bürgernetze

Ein weiteres Video über die Anfänge freier Bürgernetze in Deutschland und die WaveHAN-Initiative in Hannover aus dem Jahre 2002.


3Sat Neues, 2.9.2002, Autor: Winfried Laasch, Beitrag: Der WLAN-Boom
Ganze Sendung als RealMedia-Stream bei 3Sat

Das WaveHAN in Hannover ist ein WLAN, das vollständig privat organisiert wurde. Hier haben sich Mitglieder des Chaoscomputerclubs Hannover zusammengefunden, um sich in ihrer Stadt drahtlos zu vernetzen. Hier ging es darum ein unabhängiges Netz zu schaffen – frei von Zensur und Kontrolle durch die Provider und gemeinsamer also kostengünstiger Nutzung von Internetzugängen. Natürlich lassen sich Netz-Kabel nur recht schlecht durch die gesamte Stadt ziehen. So sind die einzelnen Zugangspunkte, Access-Points, in deren Nähe man drahtlos surfen kann, ebenfalls über WirelessLAN über längere Distanzen verbunden, allerdings über Richtfunk-Linkstrecken miteinander vernetzt. Große Teile von Hannover sind auf diese Weise bereits drahtlos vernetzt. Der Stadtteil Vahrenwald wird fast vollständig vom drahtlosen Netz abgedeckt.

Wer hier allerdings einfach nur kostenlos surfen möchte ist beim WaveHAN-Projekt fehl. am Platze. Denn die drahtlosen Macher haben sich ein Netz mit Aktiven Mitgliedern und dem Interesse an der Netzforschung zum Ziel gesetzt. Wer hier mitmachen will muss hier keinen Mitgliedbeitrag zahlen, dafür aber anderen zumindest seine Rechner-Ressourcen zur Verfügung stellen. Die WLAN-Richtfunkantennen bauen WaveHAN-Mitglieder übrigens selbst. Bringt doch eine einfach nur an die WLAN-Karte angestöpselte, leicht modifizierte Kuchenform für 10 Euro genauso viel wie eine 200 Euro teuer Antenne aus dem Fachhandel. (http://www.3sat.de/neues/sendungen/show/36650/)

[via mickey]